Ich bin immer begeistert von astronomischen Ereignissen – vielleicht nicht so sehr wie Harald Lesch, aber kurz davor. Ich mag den Gedanken, dass es ein kollektives Ereignis ist. Wer ist nicht davon begeistert, wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt? Wer findet Sternschnuppen nicht schön und freut sich, einen Wunsch zu denken?
Am 12. August bin ich also mit ein paar guten Freunden (nicht weit) aufs Land gefahren, um dieses Spektakel gemeinsam zu erleben. So wie wir es in dem Moment taten, taten es uns so viele Menschen gleich – wenn sie denn eine Brille ergattern konnten. Wir haben teilweise improvisiert, können aber alle noch sehen. Und die Kamera funktioniert auch noch. Kollektive Freude, kollektive Angst. Denn keine Meldung über die Sonnenfinsternis kam ohne den Hinweis daher, bloß nicht mit bloßem Auge in die Sonne zu blicken.
Daraus entstand ein Gedanke: Wann teilen wir Angst? Freude – ja, immer doch. Wenn wir Angst empfinden, befinden wir uns in einer Krise. Eine Krise wurde von dem kanadischen Psychologen Gerald Caplan so definiert: „Unter einer Krise verstehen wir ein zeitlich begrenztes, innerlich erfahrenes seelisches Ungleichgewicht in einer Person, welche mit bedrohlichen Umständen konfrontiert ist, die für sie ein wichtiges Problem darstellen, und dem die Person im Moment weder ausweichen noch es mit ihren gewohnten Problemlösefähigkeiten lösen kann.“
Ob nun die Brille für die Sonnenfinsternis fehlt oder die Angst vor Konsequenzen, äußerlich oder innerlich – die Definition passt auf beides.
Nun ist das eine am 13. August schon wieder egal, das andere bleibt vorerst. Ich sag mal so: Ich (und andere) habe an dem Tag auch mal ganz mutig ohne Brille in die Sonne geblickt. Und so sollte man mit der Angst vielleicht auch umgehen: sie ansehen und mit anderen teilen.























